Handelsblatt-Leseraktion „Aufbruch jetzt!”: Plädoyer für die Deutschlandrente

„Digitalisierung, Bildung, Umweltschutz – wichtige Themen kommen in diesem Wahlkampf zu kurz. Deshalb möchten wir von unseren Leserinnen und Lesern wissen, wie ihr Zukunftsprogramm aussieht. Schicken Sie uns Ihre Ideen.” Mit dieser Aufforderung wandte sich Gabor Steingart, Herausgeber des Handelsblatts, am 5. September unter dem Motto „Aufbruch jetzt!” an die Leser der Wirtschaftszeitung. Sie sollten ihr persönliches Zukunftsprogramm aufschreiben oder es als Videobotschaft schicken.

Dieser Bitte bin ich gerne gefolgt und habe in einem Video einen mir wichtigen Aspekt zu der Frage festgehalten, was getan werden muss, um Staat und Wirtschaft zu modernisieren: die Erneuerung der privaten Altersvorsorge durch die Einführung eines staatlichen Pensionsfonds, der Deutschlandrente.

Weiterlesen

Drei Fragen an … Karl Matthäus Schmidt // Folge 2: Aktienkultur und finanzielle Bildung

Geht es um Geldanlage ist Tagesgeld der Deutschen liebstes Kind. Während das Volumen auf den Tagesgeldkonten immer weiter ansteigt, erzielen die Anleger mit ihrem Investment seit Jahren keine Rendite. Auf vielen Tagesgeldkonten gibt es negative Realzinsen (Zins minus Inflation). Ist das nicht absurd?

Das ist es! Die Bank Comdirect hat dies kürzlich das „deutsche Sparparadoxon” genannt (s. Abb. links). Im Schnitt hortet jeder Deutsche aktuell 14.900 Euro auf Tagesgeldkonten. Gleichzeitig liegt die Tagesgeld-Rendite seit 2008 pro Jahr im Schnitt bei minus 0,61 Prozent. Die Inflationsrate lag in Deutschland in diesem Jahr zwischen 1,5 Prozent im Mai und 2,2 Prozent im Februar, zuletzt betrug sie 1,7 Prozent im Juli. Gleichzeitig liegt die durchschnittliche Verzinsung bei 0,15 Prozent. Ergebnis: Es wird Vermögen vernichtet.

Weiterlesen

Altersvorsorge: Banken müssen Kennzahlen mit Bezug zum Anlageziel liefern

Von Stefan May* und Karl Matthäus Schmidt

Die üblichen quantitativen Risikokennzahlen des Portfoliomanagements bieten keine wirkliche Hilfestellung, wenn es um Anlageentscheidungen mit dem speziellen Ziel der Altersvorsorge geht. Hierzu sind Kennzahlen erforderlich, die einen klaren Bezug zu den jeweils vorliegenden konkreten Anlagezielen herstellen. Die Finanzindustrie verfügt sowohl über die theoretischen Erkenntnisse als auch über die entsprechenden Technologien, um solche Kennzahlen zur Verfügung stellen zu können. Sie muss es nur endlich tun.

Weiterlesen

Investitionen mit hohen Gewinnchancen bei vernachlässigbarem Risiko – das Märchen vom Risikomanagement

Von Stefan May* und Karl Matthäus Schmidt

Es war einmal ein Anleger, der sein Geld gerne in Aktien investieren wollte. Einerseits wollte er an den hohen Gewinnen teilhaben, hatte andererseits aber schreckliche Angst, dass das böse Ungeheuer „Risiko“ zuschlagen und sein ganzes Geld vernichten könnte. So verzichtete er zunächst auf Aktien. Doch wie durch ein Wunder begegnete ihm eine gute Fee. Sie erzählte, dass sie im Besitz des Zauberkäfigs „Risikomanagement“ sei, den sie ihm gerne für einen Teil seines Vermögens abgebe. Dann könne sie das Ungeheuer „Risiko“ in den Zauberkäfig sperren, so dass es dem Geld des Anlegers nichts mehr anhaben könne. Zunächst war der Anleger sehr misstrauisch. Er fragte sich, ob das Ungeheuer im Zauberkäfig wirklich fest verschlossen sei. Doch schließlich glaubte er der guten Fee – vor allem, weil er ihr von ganzen Herzen glauben wollte. Seither ist sein Geld sicher am Aktienmarkt angelegt, wirft prächtige Erträge ab und das Ungeheuer „Risiko“ ist fest im Zauberkäfig verschlossen.

Dieses kleine Märchen enthält – wie jedes gute Märchen – eine Botschaft: Nichts wünschen Anleger sehnlicher, als eine Investition mit hohen Gewinnchancen bei vernachlässigbarem Risiko.

Weiterlesen

Interview mit der Wirtschaftswoche: „Geld bleibt auf Sparbüchern liegen”

Karl Matthäus Schmidt

Kürzlich habe ich mit Niklas Hoyer, stellvertretender Ressortleiter Geld der Wirtschaftswoche, ein Gespräch über den Status quo bei der unabhängigen Anlageberatung und dem Robo Advisory geführt („Geld bleibt auf Sparbüchern liegen”). Tenor: Erstens geht es darum, Kunden provisionsfrei und unabhängig von Interessenkonflikten zu beraten. Das muss auch begrifflich zum Ausdruck kommen. Daher: „unabhängige Anlageberatung” statt „Honorarberatung”! Da – zweitens – der Glaube an die Prognosefähigkeit und Anlageempfehlungen der Finanz-Gurus regelmäßig in die Irre führt, sollte passiv verwalteten Indexfonds der Vorzug gegeben werden vor aktiv gemanagten Investmentfonds. Drittens: Je populärer Robo-Advisor werden, desto
stärker werden Kunden auf die Kosten achten.

Weiterlesen

Eine Münze zu werfen ist effektiver, als den Empfehlungen der Finanz-Gurus zu vertrauen

Da der Glaube an die Finanz-Gurus, die die Entwicklung der Märkte zutreffend prognostizieren und stets erfolgsreiche Investment-Tipps geben, unerschütterlich ist (vor allem auch ihr eigener Glaube an sich selbst), hilft es gelegentlich, einen Blick auf die tatsächlichen Zahlen zu werfen. „Ever wondered how accurate stock market experts‘ predictions really are? Would you be better off following the advice of the financial ‚gurus‘ or just sticking it in the bank?” Auf diese Fragen hat die Trading-Plattform InterTrader Antworten gefunden und in ihrem „Gurudex” alle Empfehlungen von 16 Top-Investmentbanken aus dem Jahr 2015 untersucht.

Weiterlesen

Aktive Fondsmanager aufgepasst: „Nobody Knows Nothing”!

John C. Bogle hat schon längst den Status einer Legende unter den Investoren. 1975 gründete er The Vanguard Group. Mit über vier Billionen US-Dollar (31.12.2016) Assets under Management ist das Unternehmen derzeit nach BlackRock der zweitgrößte Vermögensverwalter der Welt. Der Erfolg von Vanguard beruht auf einer revolutionären Idee: „that a mutual fund company should not have outside owners”, wie es auf der Webseite von Vanguard heißt. Und weiter:

Weiterlesen

Die Truthahn-Illusion oder warum Prognosen so häufig danebenliegen

Dass Prognosen schwierig sind – vor allem wenn sie die Zukunft betreffen, ist ein immer wieder gern zitiertes Bonmot, wenn es um Sinn und Unsinn von Vorhersagen geht. Über dieses Thema diskutierte der Journalist, Fernsehmoderator, Autor und Philosoph Gert Scobel am 6. Juli in der 3sat-Sendung „scobel: Vorsicht Prognose!” mit dem Psychologen Gerd Gigerenzer, dem Informatiker Damian Borth und dem Philosophen Gerhard Schurz. In der Sendungsankündigung heißt es: „Prognosen suggerieren Berechenbarkeit zukünftiger Entwicklungen und vermitteln ein Gefühl vermeintlicher Sicherheit besonders in unsicheren Zeiten. Prognosen orakeln über Wahlausgänge, Börsenkurse, Vulkanausbrüche und Klimaentwicklungen. Die treffen Aussagen über Entwicklungen, die das Leben eines jeden Menschen unmittelbar persönlich betreffen, wie Krankheitsverläufe. Prognosen beeinflussen uns – auch wenn sie irren.”

Weiterlesen

Vorbild Schweden: Deutschland braucht einen staatlichen Pensionsfonds

Am Dienstag dieser Woche berichtete Peter Thelen im Handelsblatt von den Bestrebungen deutscher Verbraucherschützer, hierzulande eine Altersvorsorge nach schwedischem Vorbild einzuführen. Hintergrund dieses Ansinnens ist die nach Ansicht (nicht nur) der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) weitgehend gescheiterte Reform des deutschen Rentensystems, die mit dem Namen Riester verbunden ist. Stefan May und ich haben erst kürzlich in diesem Blog auf die Probleme der Riester-Rente hingewiesen. Auf dem Deutschen Verbrauchertag am 19. Juni 2017 wies Klaus Müller, Vorstand der vzbv, im Zusammenhang mit der Altersabsicherung auf die Verunsicherung der Verbraucher hin – und nannte eine Alternative:

Weiterlesen

Private Altersvorsorge via Riester: komplex, teuer, dysfunktionale Anlagen

Von Stefan May* und Karl Matthäus Schmidt

Der Versuch, die private Altersvorsorge durch staatliche Subventionen zu stärken, ist gescheitert. Dies gilt besonders für die berühmte Riester-Rente. Trotz der Vielzahl abgeschlossener Verträge spielt die sie keine nennenswerte Rolle dabei, das Altersvorsorgeproblem zu lösen. Die Beitragszahlungen sind zu gering, und die vereinnahmten Renditen bleiben weit hinter dem zurück, was die internationalen Finanzmärkte eigentlich bieten. Die angebotenen Produkte leisten keinen wirklichen Beitrag zur Lösung des Altersvorsorgeproblems. Letztlich landen die Marktrenditen in den Taschen der Versicherungs- und Finanzwirtschaft.

Weiterlesen